Oben kurz vor dem Rosi-Mittermaier-Tunnel genießen wir eine beeindruckende Mondlandschaft.

Ötztaler Gletscherstraße

Sascha
Einer meiner Favoriten: Herrliche Natur, sportliche Herausforderung und Höhenrekord

Ötztaler Gletscherstraße · 2830 m · Österreich

Auffahrt von Sölden: 14 km · ø 10,3 % · max. 14 % · 1450 hm

Meditative Stimmung im Ötztal: Wir wissen, dass es heute hart wird.

Meditative Stimmung im Ötztal: Wir wissen, dass es heute hart wird. (Foto: Sascha Resch)

Den meisten Radsportlern dürfte Sölden ein Begriff sein, startet und endet doch dort der legendäre Ötztaler Radmarathon. Doch es gibt daneben noch etwas Besonderes in Sölden: Die Ötztaler Gletscherstraße. Sie führt auf eine Höhe von sagenhaften 2830m – höher geht es mit dem Rennrad nicht, zumindest in den Alpen.

Diesen Höhenrekord wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen, zumal der Anstieg nur gute 2,5 Autostunden von München entfernt ist.

Wir wollen aber nicht in Sölden starten, sondern bereits in Längenfeld, etwa 10 Kilometer nördlich von Sölden. So hoffen wir, uns etwas warm fahren zu können. Denn wir wissen bereits, dass der Rettenbachferner oder Tiefenbachferner – wie die Straße wegen der beiden Gletscher am Ende auch gern genannt wird – unglaublich schwer sein soll. Knapp 14 Kilometer Anstieg mit überwiegend 13-14% Steigung sind in der Tat ein ordentliches Stück Arbeit.

In Sölden angekommen, geht es zunächst einmal komplett durch den Ort. Am Ende des Dorfes zieht die Straße dann auch schon ordentlich an und prompt erscheint die Abzweigung zu den Gletschern. Wir sehen schon: Die Straße sieht steil aus, sehr steil.

Genauso hart bleibt die Auffahrt auch. Nach gut 4 Kilometern erreichen wir die Abzweigung nach Hochsölden, einem kleinen Hoteldorf, hauptsächlich für Skifahrer. Wir fühlen uns jedoch zu Höherem berufen und fahren linker Hand weiter Richtung Gletscher.

Die Gruppe Bergziegen lässt isch von uns nicht aus der Ruhe bringen.

Die Gruppe Bergziegen lässt isch von uns nicht aus der Ruhe bringen. (Foto: Sascha Resch)

Zunächst befinden wir uns noch im bewaldeten Bereich, doch schnell wird die Vegetation karger und wir kommen zur Mautstation. Der Wärter grüßt uns freundlich und wir passieren die Mautschranke natürlich kostenlos, denn Radfahrer bezahlen mit Schweiß und nicht bar.

Bereits hier kann man das Ende der Strecke erahnen: Dort oben ist unser Ziel. Die Straße zieht weiterhin erbarmungslos nach oben. Die 13% sind ohnehin schon fordernd, doch der gerade Straßenverlauf erschwert den Anstieg zusätzlich, es gibt keinen einzigen Moment zum Verschnaufen. Entlang des Rettenbachs geht es hinauf und nach endloser Plackerei endlich Kehren. Dort erwartet uns eine Gruppe Bergziegen, auch für alpine Radfahrer kein alltäglicher Anblick.

Wir fahren immer noch bergauf. Doch je höher wir kommen und je kühler die Luft wird, desto schneller und motivierter pedalieren wir. Und so sind wir bald an der Liftstation zum Rettenbachferner.

Aber es geht noch weiter, wir wollen den Höhenrekord in jedem Fall. Also geht es sofort weiter in einer sagenhaften Mondlandschaft ohne jegliche Vegetation, das Rauschen des Schmelzwassers, das den Hang hinunter schießt klingt uns laut in den Ohren.

Wir erreichen flott den Eingang zu einem Tunnel. Auch dieser ist etwas Einzigartiges, es handelt sich nämlich um den Rosi-Mittermeier-Tunnel. Der Name allein wäre vielleicht weniger spektakulär, aber diese Röhre ist der höchstgelegene Straßentunnel in den Alpen. Ganze 1,7 Kilometer bei 5% Steigung erwarten uns. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie lang so ein Tunnel werden kann. Überall Schmelzwasser, es ist bitterkalt, durch die spärliche Beleuchtung ist es stockduster. Dadurch, dass der Tunnel schnurgerade verläuft, sehen wir schon die ganze Zeit das Ende: Erst ein kleiner Lichtpunkt, dann wird der strahlende Ausgang immer größer – Gänsehaut garantiert.

Oben kurz vor dem Rosi-Mittermaier-Tunnel genießen wir eine beeindruckende Mondlandschaft.

Oben kurz vor dem Rosi-Mittermaier-Tunnel genießen wir eine beeindruckende Mondlandschaft. (Foto: Sascha Resch)

Auch diese Grenzerfahrung überstehen wir und endlich ist es geschafft: 2830 Meter über Normalnull! Leider ist die Umgebung nicht ganz so pompös, eher schnöde Skibauten. Trotzdem: es ein geniales Gefühl hier zu sein, zumal der Gletscher immer weiter wegschmilzt, wer weiß, wie lange wir ihn noch bewundern können.

Es ist ziemlich frisch, deshalb geht es bald wieder bergab. Immer wieder müssen wir uns zum Bremsen zwingen, denn das Rad beschleunigt dank der hohen Steigung so rasant, dass man in Sekundenschnelle jenseits der 80 ist. Aber typisch Radfahrer: Wenigstens für ein paar Sekunden können wir uns die 100 km/h nicht verkneifen, bevor wir wieder vernünftig an die Sicherheit denken und auf 80 drosseln.

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