Endlich in Italien, aber der Brennerpass ist eher schmucklos

Brenner

Torsten
Entspanntes Bergradln nach Bella Italia

Sascha
Lang, aber ganz zahm!

Brennerpass, Passo del Brennero · 1374 m · Österreich/Italien

Auffahrt von Innsbruck (B182): 37 km · ø 2,3 % · max. 10 % · 857 hm

Auffahrt von Sterzing (Radweg): 21 km · ø 2,2 % · max. 12 % · 470 hm

Der Brenner stellt den niedrigsten Übergang des Alpenhauptkammes dar. Außerdem ist er berühmt berüchtigt für wahre Kolonnen an Kraftfahrzeugen. Beides Argumente, die eigentlich gegen die Befahrung mit dem Rennrad sprechen.

Trotzdem haben wir uns entschieden, den Brenner in das Programm unser Transalp 2014 zu integrieren. Immerhin ist er der direkteste Weg auf dem Weg von München nach Italien und bei unserer ersten Transalp waren wir froh über einen einfachen Pass.

Kurze Pause in Matrei an der Brenner-Bundesstraße

Kurze Pause in Matrei an der Brenner-Bundesstraße (Foto: Sascha Resch).

Unsere Planung sah vor, dass wir von Innsbruck aus die sogenannte „Alte Römerstraße“ befahren. Das ist eine kleine Alternative zur großen Brenner-Bundesstraße, die von Aldrans bei Innsbruck bis nach Matrei am Brenner führt, sodass der Radfahrer nur den letzten Teil auf der großen Bundesstraße fahren muss. Leider haben wir 2014 großes Pech, denn ausgerechnet in der Woche unserer Fahrt ist die Römerstraße wegen Brückenbauarbeiten komplett dicht.

So fahren wir wohl oder übel von Innsbruck aus direkt die große Bundesstraße entlang. Der Vorteil: Wir können die Straße nicht verfehlen, denn der Brenner ist wirklich gut ausgeschildert. Auf regennassen Straßen fahren wir auf der B182 aus Innsbruck hinaus und wir schrauben uns über ein paar Kurven und Kehren den ersten Abschnitt hinauf.

Es ist schon beeindruckend, das Gewirr von Autobahn und Eisenbahn aus dieser Perspektive zu beobachten. Auf den Straßen ist erstaunlich wenig los, was wohl am Regen liegt. Wir fahren weiter und die Nässe macht das Klettern äußerst unangenehm. Die Steigung ist zwar kaum spürbar, aber in unserem Regengewand schwitzen wir wie die Wurst in der Pelle.

Langsam lässt der Regen nach und es bilden sich dicke Nebel- und Wolkenschwaden im Wipptal. Auch wenn es noch leicht nieselt, beschließen wir unsere Froschhaut abzulegen. Der Schweiß fühlt sich glitschig und klamm gleichzeitig an, sodass wir lieber regennass, als schweißnass sind.

Das schlechte Wetter ist zwar lästig, aber es beschert uns ein einmaliges Erlebnis: Die Brenner-Bundesstraße ist angenehm befahrbar, von Blechkolonnen keine Spur. So können wir den Ausblick auf das Wipptal genießen, während die Steigung immer noch kaum spürbar ist.

So passieren wir schnell die ganzen kleinen Ortschaften auf der Brennerstraße und gelangen nach Matrei. Ab hier verfliegt jeglicher Frust über die gesperrte Römerstraße, denn ab Matrei gibt es ohnehin nur noch die Bundesstraße. Matrei ist ein etwas größerer Ort und wir beschließen hier auf einer Bank am Straßenrand eine Rast einzulegen.

Der Regen hat komplett aufgehört und sogar die Sonne blitzt ab und an durch die Wolken, sodass die Temperaturen etwas erträglicher werden. Hoch motiviert schwingen wir uns wieder in den Sattel und träumen schon von strahlendem Sonnenschein in Italien.

Die Steigung bleibt angenehm und wir fahren mit hoher Geschwindigkeit weiter. Hinter einem Busch erkennen wir österreichische Verkehrsbeamte, die mit einer Radarpistole Temposünder fassen will. Die Beamten richten die Radarpistole genau auf uns und schauen sich ungläubig an. Wer weiß, was der Grund dafür war. Vielleicht haben die Polizisten wegen des vorigen Regens einfach keine hartgesottenen Radler erwartet. Oder wir waren tatsächlich so schnell, wie es sich für uns anfühlte.

Endlich in Italien, aber der Brennerpass ist eher schmucklos

Endlich in Italien, aber der Brennerpass ist eher schmucklos (Foto: Torsten Vaupel).

Dann kurz vor dem Brennersee werden wir doch noch ausgebremst. Die Straße zieht plötzlich stark an, die Steigung geht gegen 10%. Der Brennerpass ist schon ein Anstieg für sich. Kilometer um Kilometer dümpeln wir fast im Flachen dahin, um dann zum Schluss einen Großteil der Steigung auf einmal zu schnupfen.

Aber es geht noch langsamer: Am Brennersee erreichen wir eine größere Baustelle, wo wir unerwartet an einer Ampel halten müssen. So kurz vor Italien und dann noch still stehen. Kaum schaltet die Ampel auf grün, sprinten wir los, wir wollen die verlorene Zeit wieder reinfahren.

Am Brenner angekommen, ist da zunächst die Euphorie über das Grenzschild „Italia“, endlich da! Doch leider ist der Brenner alles andere als schön, es handelt sich um eine riesige Einkaufsmeile. So machen wir ein kurzes Foto und fahren auch schon weiter.

Auf der Abfahrt profitieren wir von einem eigenen Fahrradweg, der weit abseits der Bundesstraßen auf der alten Eisenbahntrasse angelegt ist. Herrliche Ausblicke auf die umliegende Bergwelt und eine himmlische Ruhe, so lässt es sich leben.

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