Am wunderschönen Spitzingsee gibt es die verdiente Mittagspause.

Erweiterte Hausrunde

Sascha
Eben mal in die bayerischen Alpen und zurück!

Erweiterte Hausrunde:

  • München-Allach - München-Allach
  • 220 km · 3200 hm · bergig

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München und die Alpen, das gehört irgendwie zusammen. Die Stadt liegt gar nicht weit entfernt von den ersten richtigen Anstiegen der Voralpenregion, man muss nur in den Zug einsteigen und die Kletterpartie kann beginnen. Doch braucht es wirklich immer den Zug, um ordentlich zu klettern?

Kurz hinter dem Spitzingsee liegt die Schwarzenkopfhütte.

Kurz hinter dem Spitzingsee liegt die Schwarzenkopfhütte (Foto: Sascha Resch).

Das wollten wir herausfinden und wollten ausprobieren, ob wir es schaffen, bequem von zu Hause aus zu starten, in die Voralpenregion zu fahren und wieder nach Hause zu radeln. Eine erweiterte Hausrunde eben. So viel vorweg: Es klappt wunderbar!

Los geht es in München-Allach. Wir haben einige Kilometer vor uns und starten deshalb schon recht früh, so gegen 5.30 Uhr. Vorteil: Wir vermeiden den störenden Verkehr der Stadt, denn um diese Uhrzeit ist es noch vergleichsweise ruhig. Selbst in München-Pasing, wo es eigentlich für Radfahrer immer unangenehm ist, kommen wir zügig voran.

Weiter geht es nach Planegg und über Neuried nach München-Fürstenried. Es ist noch ziemlich kühl und wir pedalieren etwas flotter, damit die Beine und der Körper warm bleiben. Ab Fürstenried folgen wir der klassischen Ausfallroute aus München Richtung Starnberg, der Olympiastraße. Sie verläuft parallel zur A95, diesen Abschnitt kennen wir noch von unserer Transalp 2014.

Bald sind wir in Schäftlarn angekommen und es gibt eine kleine Banane. Wir wissen, dass es heute viele Kilometer werden, deshalb ist es wichtig, regelmäßig eine Kleinigkeit zu essen. Immer wieder 200 Kalorien in Form einer Banane, eines Müsliriegels oder eines Wasa-Sandwiches. Der Vorteil der Wasa Sandwiches: Sie sind sehr leicht, der Rucksack wird nicht unnötig schwer durch den Proviant, und sie sind bequem einzeln verpackt Außerdem gibt es verschiedene Geschmacksrichtungen, sodass keine Langeweile aufkommt. Wer sich erst einmal an den Snack gewöhnt hat, nutzt ihn immer wieder gerne auf langen Touren.

Weiter geht es auf Straßen, die uns wieder bekannt vorkommen, diesmal von der Tour „Wellenreiten“. Doch heute wollen wir weiter und fahren nach Otterfing und nach Holzkirchen. Von dort aus wird es immer ruhiger, wir fahren über kleine, einsame Straßen durch das bayerische Alpenvorland. Obwohl die Straßen klein sind, ist die Asphaltqualität durchweg gut; das ist der Vorteil, wenn man in einem relativ reichen Bundesland wie Bayern unterwegs ist.

In Wall wird es dann zum ersten Mal richtig ernst. Wir wechseln auf die B472 und die Straße führt von der Mangfall ziemlich steil bergauf. An der nächsten Abzweigung verlassen wir wieder die Bundesstraße, doch es geht weiter bergan. So überwinden wir hier schon einmal mehr als 100 Höhenmeter am Stück, eine gute Einstimmung auf das, was noch kommen wird.

Am wunderschönen Spitzingsee gibt es die verdiente Mittagspause.

Am wunderschönen Spitzingsee gibt es die verdiente Mittagspause (Foto: Sascha Resch).

Überhaupt ist das Miesbacher Land rund um die Mangfall sehr anspruchsvoll zu befahren. Es geht immer wieder bergauf, mitunter recht steil. Dabei sind die Anstiege aber nicht allzu lang. Es ist sehr schwer einen gleichmäßigen Rhythmus zu finden, immer wieder heißt es runterschalten, raufschalten, runterschalten, raufschalten.

In Agatharied müssen wir nochmal auf die Bundesstraße, diesmal die B307. Ab Hausham nutzen wir dann doch lieber eine kleine Parallelstraße und sparen uns ein Stück rußige Hauptstraße. Von Schliersee an müssen wir leider auf der B307 weiter fahren, doch dafür entschädigt uns ein herrlicher Blick auf den Schliersee, denn die Bundesstraße führt direkt am Ufer entlang.

Wir fahren vorbei am Markus-Waasmeier-Museum, das in jedem Fall einen Besuch wert ist, doch heute haben wir keine Zeit für so viel Kultur. Nach dem Bahnhof Fischhausen-Neuhaus geht es noch ein paar Meter gerade und wir merken, dass wir in bergiger Region angekommen sind. Die Straße liegt in einer breiten Schneise, rechts und links von uns sind grüne Berghänge.

Endlich ist es soweit: Wir biegen rechts ab und befinden uns unmittelbar auf der Spitzingstraße. Anfangs tut sie noch harmlos, doch der Anstieg ist nicht ohne. Wer zu Beginn die Auffahrt unterschätzt, wird es bitter bereuen. Der Anstieg ist zwar nicht allzu lang. Doch es geht mehr oder weniger stur gerade bergauf und die Straße wird im Verlauf immer steiler.

Wer die Strecke kennt und seine Kräfte einteilt, der kommt flott nach oben und erreicht bald das Passschild. Ein Foto und ein Blick auf den Aiplspitz linker Hand und wir fahren weiter, hinab zum Ort Spitzingsee. Der Ort ist einfach ein Traum, der Spitzingsee mit seinem kristallklaren Wasser lädt zum Verweilen ein. Doch die Pause gibt es später – wir fahren weiter in Richtung Valepp.

Kurz nach der Schranke, die den öffentlichen Verkehr abhält, gibt es einen kleinen Weg, der links bergauf führt. Diesen Weg nehmen wir, denn wir wollen noch ein bisschen klettern. Der Anstieg führt um den Schwarzenkopf an dessen Hang entlang nach oben. Die Strecke ist stellenweise ordentlich steil und verlangt uns einiges ab. Am Ende erreichen wir die Schwarzenkopfhütte, ein kleines Polizeiheim. Hier ist für uns Schluss, den weiter ginge es nur auf Schotter.

Gleich kehren wir um und fahren zurück zum Spitzingsee. Dort ergattern wir ein nettes Bankerl gleich am Ufer. Wir machen eine ausgiebige Mittagspause, genießen die Sonne, die Luft und das Panorama.

Am liebsten würden wir hier den ganzen Tag bleiben, aber wir haben noch ein paar Kilometer vor uns. Deshalb schwingen wir uns wieder in den Sattel. Zunächst geht es ein paar Höhenmeter bergauf zum Spitzingsattel, danach folgt eine unglaublich schnelle Abfahrt: Jetzt freuen wir uns über den steilen und geraden Straßenverlauf: Ohne viel zu bremsen, donnern wir hinunter zur B307.

Wieder geht es vorbei am Schliersee und nach Hausham. Wir könnten jetzt gleich wieder weiter nach Agatharied fahren. Aber noch sind wir nicht ausgelastet, ein bisschen Klettern muss schon noch sein. Darum biegen wir in Hausham links ab auf die Tegernseer Straße und gleich wieder links auf die kleine Alpenstraße.

Nach einem sehr schweren Anstieg endlich an der Gindelalm angekommen.

Nach einem sehr schweren Anstieg endlich an der Gindelalm angekommen (Foto: Sascha Resch).

Unser Ziel: Die Gindelalm. Hier hinauf gab es früher immer wieder kleine Bergzeitfahren, die Straße ist für den motorisierten Verkehr grundsätzlich gesperrt. Schon früh zieht der Anstieg stark an und es geht steil, sehr steil nach oben – die Strecke führt lange Zeit mit 16-18% bergauf. Leider ist der Belag sehr schlecht und neben der unerbittlichen Steigung quälen uns unzählige Schlaglöcher.

Das ist wirklich ein happiges Finale für unsere Klettertour. Langsam quetschen wir uns bergan und verfluchen bald die Entscheidung, hier hinauf zu fahren, denn inzwischen spüren wir die bisher gesammelten Kilometer und Höhenmeter in den Beinen. Endlich sind wir oben angekommen. Die Gindelalm befindet sich auf einem kleinen Hochpunkt, viel Platz ist hier nicht, rings um uns herum sind Wald- und Wiesenhänge.

Nach kurzer Kalorienzufuhr geht es wieder bergab. Anders als am Spitzing müssen wir extrem langsam abfahren, die Bremsen schreien um Gnade. Der schlechte Belag und das hohe Gefälle sind eine echte Herausforderung. Wir sind froh, als wir die Abfahrt hinter uns haben und wieder in Hausham sind.

Jetzt geht es auf der gleichen Strecke zurück, die wir hierher gefahren sind. Langsam werden wir müde und es ist gut, dass wir den Streckenverlauf von heute Vormittag kennen. Inzwischen tun auch die kleinen und kurzen Anstiege des Miesbacher Lands ordentlich weh und so zieht sich der Weg bis nach Holzkirchen.

Am Bahnhof von Holzkirchen könnten wir uns bequem in die S-Bahn setzen, doch wir wollen die komplette Strecke auf dem Rad zurücklegen. Also, wieder in den Sattel und über Otterfing nach Schäftlarn. Selbst der Anstieg hinauf nach Hohenschäftlarn ist jetzt kein Vergnügen mehr, die Gindelalm war wirklich heftig.

An der Olympiastraße noch einmal kurz eine Pause, bevor wir zum letzten Teilabschnitt ansetzen. Jetzt merken wir, dass es schon später Nachmittag ist, den ab Planegg wird der Verkehr immer dichter. In München-Pasing haben wir dann unser Vergnügen mit den vielen Autos, aber auf den letzten Kilometern wollen wir uns nicht mehr aufregen.

Am Ende sind wir froh, dass wir wieder zu Hause sind und wissen: Das Experiment ist geglückt! Außerdem sind wir ein bisschen stolz. Wir sind heute mit dem Rad eine Strecke gefahren, die wir sonst nur mit dem Zug oder Auto zurückgelegt haben. Damit haben wir bewiesen, München liegt tatsächlich direkt an den Alpen.