Markant: die zwei Radarkuppeln auf dem Arbergipfel sind auch vom Brennes aus gut zu sehen

Mittelgebirgsexperiment am Arber

Torsten
Ein neues Land im Palmarès!

Sascha
Endlich auch nach Tschechien!

Mittelgebirgsexperiment am Arber:

  • Bodenmais - Bodenmais
  • 93,6 km · 2000 hm · Alpin

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Natürlich sind die Alpen für uns Alpenvettern das bevorzugte Trainings- und Tourenrevier. Doch man sollte hin und wieder auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Deswegen wollten wir uns an unsere erste richtige Mittelgebirgstour wagen – der Arber im Bayerischen Wald das ideale Ziel.

Auftakt: Der Ecker Sattel ist der erste richtige Anstieg auf der Arberrunde

Auftakt: Der Ecker Sattel ist der erste richtige Anstieg auf der Arberrunde (Foto: Sascha Resch)

So starten wir zunächst mit dem Auto von München nach Bodenmais. Die Anfahrt ist etwas länger, etwas mehr als zwei Stunden müssen wir auf der Autobahn fahren. In Bodenmais angekommen, parken wir das Auto auf dem Wanderparkplatz „Klause“. Dort ist unter der Woche fasst nichts los, zumal das Wetter nicht sehr vielversprechend aussieht. Au0erdem liegt er an einem Steilhang, sodass uns eine kleine Bergankunft zum Schluss winkt.

Es ist etwas frisch, die Sonne versteckt sich hinter einer recht dichten Wolkendecke. Trotzdem starten wie gut gelaunt, immerhin warten einige Anstiege auf uns. Von Bodenmais aus geht es erstmal im Höllentempo nach Norden, denn es ist abschüssig und wir haben den böigen Wind im Rücken.

Leicht wellig geht es über Drachselsried nach Arnbruck, wo unser erster richtiger „Pass“ auf uns wartet: Der Ecker Sattel. Dieser ist nicht wirklich schwer, immer moderat bei knapp 5-8% durch den Wald. Entsprechend schnell sind wir oben angekommen und widmen uns dem Beweisfoto. Leider ist der Wind wirklich unangenehm, ob das hier öfters so ist?

Nichtsdestotrotz geht es weiter, zunächst in rasanter Abfahrt nach Arrach, von dort weiter nach Haibühl. Dort, kurz vor Engelshütt, erwartet uns zunächst eine richtig fiese 15%-Rampe, die uns abrupt herunterbremst. Auch nach Engelshütt geht es tendenziell bergauf, wenngleich deutlich zahmer. Doch auch dieser Anstieg währt nicht lange, sehr schnell erreichen wir den kleinen Hochpunkt Tanneneck. Auch hier wieder ein kurzes Foto, bevor es weiter in Richtung Grenze geht.

Denn am heutigen Tag wollen wir nicht nur eine neue Region und unser erstes Mittelgebirge erkunden. Wir wollen außerdem zum ersten Mal nach Tschechien fahren. Dazu folgen wir einer wenig befahrenen Straße nach Neurittsteig und bald darauf passieren wir die Grenze, die heutzutage zum Glück komplett offen ist – ein Hoch auf Europa und die EU!

Neuland: Unser erster Anstieg auf tschechischem Boden ist der Špičácké Sedlo

Neuland: Unser erster Anstieg auf tschechischem Boden ist der Špičácké Sedlo (Foto: Sascha Resch)

Der Belag der Straßen wird zwar etwas rauer, aber insgesamt sind die Straßen auch hier sehr angenehm zu fahren. Die hohe Qualität verwundert ein bisschen, da die Gegend etwas verlassen wirkt und nur sporadisch Autos zu sehen sind. Doch umso besser, dann haben wir die tolle Straße für uns alleine.

Über den wunderschönen Ort Nýrsko geht es nach Milence, wo wir eine kurze Brotzeitpause machen. Die ist hier auch bitter nötig, denn eine Gewitterschauer entlädt sich genau über uns. Das hatte der Wetterbericht für den heutigen Tag schon angedroht. Zum Glück finden wir eine Bushaltestelle mit Wartehäuschen, wo wir trocken unsere Semmeln vertilgen können.

nach der Schauer geht es weiter, doch uns offenbart sich, das große Problem der tschechischen Straßen. Der Belag ist relativ rau, sodass sich das Wasser dort richtig schön sammelt und nur langsam abfließt. So sind die Straßen klitschnass und unsere Räder schleudern gischtartige Wolken um uns in die Luft.

Auf nun wieder ansteigender Trasse passieren wir den schönen Stausee von Nýrsko und passieren den kleinen Ort Zelena Lhota. Unser steter Begleiter ist der dichte Wald und die Eisenbahntrasse, die sich auf unserer rechten Seite den Hang hochschlängelt.

Der Anstieg ist bisher recht steil und wir sammeln schnell Höhenmeter. Kurz nach der Ortschaft Hojsova Stráž legt sich dann die Steigung zurück und wir pedalieren die restlichen sechs bis sieben Kilometer so gut wie flach zum Hochpunkt. Oben am Špičácké Sedlo oder Spitzbergsattel auf Deutsch halten wir kurz inne und überlegen, ob wir den Stich zum Pancíř noch anhängen. Diesen Gedanken verwerfen wir aber schnell, da schon die nächste Schauer über uns hereinbricht.

Markant: die zwei Radarkuppeln auf dem Arbergipfel sind auch vom Brennes aus gut zu sehen

Markant: Die zwei Radarkuppeln auf dem Arbergipfel sind auch vom Brennes aus gut zu sehen (Foto: Sascha Resch)

Also warten wir bis das Schlimmste durch ist und fahren weiter, nun bergab in Richtung Železná Ruda und zurück zur Grenze nach Deutschland. Gleich nach der Grenze erreichen wir Bayerisch Eisenstein, wo wir sehr bald nach rechts auf die Arberstraße einbiegen. Diese ist mit der Aufschrift „Brennes“ ausgeschildert. Sofort geht es bergan, jedoch nicht allzu steil, eher im 8%-Bereich. Zum Glück sind die Straßen hier trocken, so macht das Klettern wieder mehr Spaß.

Bald erreichen wir den Brennes, einen der beiden Hochpunkte der Arberstraße. Von hier aus kann man die zwei Radarkuppeln auf dem Arbergipfel klar erkennen. Unser Ziel ist es jetzt noch, den zweiten Hochpunkt zu besuchen, den Bretterschachten. Dazu fahren wir am Arbersee vorbei und dnach gleich wieder rechts. Wieder geht es bergan und wieder ereilt uns eine Gewitterschauer. Fluchend über das miese Wetter trampeln wir hoch, langsam schlägt uns diese Regnerei wirklich aufs Gemüt.

Etwas schmucklos: Am Bretterschachten, dem Hochpunkt der Runde, gibt es kaum Aussicht

Etwas schmucklos: Am Bretterschachten, dem Hochpunkt der Runde, gibt es kaum Aussicht (Foto: Sascha Resch)

Entsprechend kurz fällt der Aufenthalt am Bretterschachten aus. Das ist auch nicht schlimm, denn es handelt sich eigentlich nur um einen Parkplatz ohne jegliche Aussicht. Im Regen geht es rasant bergab. Am Silberberg biegen wir rechts nach Bodenmais ab. Hier ist es zunächst noch trocken. Doch nicht lange. Hier zum großen Finale erwartet uns ein regelrechter Platzregen. Da hilft kein Unterstellen, keine Regenjacke. Von einer Sekunde auf die andere ergießt sich ein Wasserschwall wie aus einem Eimer über uns.

„Soachnass“, wie wir Bayern sagen rollen wir in Richtung Wanderparkplatz. Dort trampeln wir die letzten sehr steilen Meter den Hang hinauf. Nach diesem Regentag kann uns auch die Bergankunft nicht wirklich trösten, die Laune ist eher mittelmäßig bis bescheiden.

Zum Glück haben wir im Auto in weiser Voraussicht Wechselkleidung deponiert, die wir bitter nötig haben. Am Ende fassen wir unser Abenteuer wie folgt zusammen: Wetter katastrophal. Anstiege in Ordnung. Ausblicke leider gegen null. Wenn man das Wetter mal außen vor lässt, sind die Mittelgebirge schon recht schön. Aber trotzdem, die Alpenvettern gehören einfach in die Alpen. Basta.

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