Cîme de la Bonette

Istrien 2017, Tag 3

Kurze Pause am Meer in Rovinj, dem Monmartre Istriens.

Torsten
Km + Kultur = Alpenvetters Lust

Sascha
Langstrecke mit kleinen Abenteuern gespickt

Istrien, Tag 3:

  • Poreč - Poreč
  • 137 km · 1500 hm · Hügelig

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Zu einem Trainingslager gehören nicht nur Höhenmeter, sondern auch reichlich Kilometer. Wenn man dann noch malerische und kulturell bedeutende Städte besuchen kann, bleiben keine Wünsche mehr offen. Eine Tour, die genau diesen hohen Ansprüchen gerecht werden sollte, war unsere Fahrt von Poreč nach Pula und wieder zurück nach Poreč.

Beim Aufstehen erwartet uns wieder herrlicher Sonnenschein. Wieder ist es ein bisschen kühl. Aber vom Vortag wissen wir, dass es sehr schnell wärmer werden wird. Nach einem opulenten Frühstück schmeißen wir uns in unsere Radkluft und legen sofort los.

Zwei Kilometer Fußmarsch durch die Pampa müssen dokumentiert werden.
Zwei Kilometer Fußmarsch durch die Pampa müssen dokumentiert werden. (Foto: Sascha Resch)

Diesmal fahren wir gleich in Richtung Meer, also erst einmal ein Stück bergab. Weiter geht es auf der Hauptstraße in Richtung Funtana auf der D75. Bei der grünen Bucht, der Zelena Laguna, zweigen wir in eine kleinere Straße nach Mugeba und Fuškulin ab. Uns warnt zwar ein Schild, dass die Durchfahrt verboten sei, aber wir sind uns einig, dass man mit dem Rad eigentlich überall durchkommen müsse. Meistens sind solche Baustellen ja halb so wild und man kann bequem durch, wenn auch in verkehrsrechtlicher Grauzone.

Wie versprochen, erwartet uns bald eine Baustelle, wo der Asphalt komplett fehlt, stattdessen finden wir nur sehr grobe Steine vor, so ähnlich wie der Schotter im Gleisbett der Bahn. Sollen wir weiter? Was soll’s, so lang kann der steinige Abschnitt nicht sein, wir schieben einfach am Straßenrand. So lang kann das ja nicht sein… Doch die Steinpiste nimmt kein Ende. Sollen wir umkehren? Ach, sicher ist der Weg hinter uns viel länger als das, was noch kommt. Nun ja. Am Ende der Baustelle wissen wir, dass es gut zwei Kilometer Fußmarsch waren. In Radschuhen nicht wirklich erbaulich. Leicht angeätzt sind wir erleichtert, endlich wieder echten Asphalt zu sehen.

Jetzt aber flott. Im Eiltempo spurten wir bis nach Kloštar. Dort stürzt die Straße dann zum Limski-Fjord auf Meereshöhe hinab, um danach sofort wieder genauso abrupt anzusteigen. Es geht ein paar Kilometer bergauf, leider sieht man von der Straße aus so gut wie nichts vom Fjord. Bei Brajkovići ist der Anstieg schon wieder Geschichte und wir biegen nach rechts ab. Unser Ziel: Rovinj. Es geht leicht hinunter und so donnern wir in Richtung Küste. Kette ganz rechts, denn wir müssen unseren Fußmarsch kompensieren. Der Spaziergang hat unseren Schnitt ordentlich versaut.

Kurze Pause am Meer in Rovinj, dem Monmartre Istriens.
Kurze Pause am Meer in Rovinj, dem Monmartre Istriens. (Foto: Sascha Resch)

In Rovinj gönnen wir uns eine Banane und genießen direkt am Meer den Blick auf die Stadt. Kein Wunder, dass Rovinj gerne Montmartre Istriens genannt wird, so malerisch wie es auf dem Hügel direkt am Meer liegt. Sowas sieht man nicht alle Tage.

Von Rovinj orientieren wir uns wieder Richtung des Landesinneren, immer leicht ansteigend bis ins gut 15 Kilometer entfernte Bale. Danach geht es weiter, immer noch auf der D75, aber tendenziell bergab bis nach Vodnjan. Dort haben wir genug von der Hauptstraße und wechseln auf kleinere und ruhigere Straßen. So passieren wir das kleine und herrliche Dorf Galižana. Es wirkt so mediterran und so verschlafen, man möchte am liebsten dortbleiben.

Doch wir wollen nach Pula und bis dahin sind es noch ein paar Kilometer. Es geht weiter leicht bergab, nur kurz vor Pula wartet eine knackige Rampe auf uns.

Schließlich sind wir in Pula angekommen und schlagartig wird der Verkehr dichter und hektischer. Wir sehen schon von Weitem das große Amphitheater. Der geschäftige Verkehr und das antike Stadion sorgen dafür, dass wir uns wie in Rom füllen. Wir fahren bis zum kleinen Park am antiken Forum und gönnen uns eine ausgiebige Mittagspause.

Die haben wir auch nötig, denn jetzt müssen wir lange Zeit immer leicht bergan pedalieren, besser gesagt gut 30 Kilometer lang. In Vodnjan fahren wir diesmal durch die Altstadtgassen mit ihrem groben Kopfsteinpflaster. Kurz bevor wir den Ort wieder verlassen, wird Torsten dann überraschend von zwei wildgewordenen Hunden attackiert. Anscheinend haben die Vierbeiner die Salami gerochen, die Torsten als Brotzeit eingesteckt hatte. Zum Glück kann er die aggressive und hungrige Meute mit einem beherzten Sprint abschütteln.

Das Amphitheater dominiert das Stadtbild Pulas.
Das Amphitheater dominiert das Stadtbild Pulas. (Foto: Torsten Vaupel)

Mit ordentlich Adrenalin im Blut fahren wir weiter, wir müssen nach Svetvinčenat. Bisher waren die Verkehrsverhältnisse auch auf den Hauptstraßen immer ganz manierlich. Aber hier auf dem Weg nach Svetvinčenat wird es doch noch ungemütlich. Zahllose LKW donnern mit ein paar Zentimetern Abstand an uns vorbei. Das alleine würde schon für einen hohen Puls sorgen, aber zusätzlich geht es immer noch bergan. Nach einer halben Ewigkeit erreichen wir das lang ersehnte Svetvinčenat, das uns fast schon wie das gelobte Land vorkommt. Denn hier können wir endlich die autobahnähnliche Straße verlassen und in ruhigeren Gefilden weiterrollen.

So geht es ruhig bis nach Kanfanar, wo wir nochmal eine kurze Pause einlegen. Danach folgt eine kurze Abfahrt zur Burg Dvigrad. Wir stoppen kurz Stop und begutachten die Ruine interessiert. Wieder im Sattel, erwartet uns eine erneute kurze Kletterpartie mit Serpentine und tollen Ausblicken. Wieder einmal kommt fast so etwas wie alpines Feeling auf.

Über kleine Dörfer fahren wir weiter in Richtung Poreč. Wie tagszuvor geht es „leicht kupiert“ bergab. Doch heute ist es unangenehmer, denn wir spüren eine gewisse Müdigkeit nach der langen Strecke. Die Aufmerksamkeit lässt spürbar nach und so kommt es, dass ich in Červari beinahe ein frei umherlaufendes Huhn erlege. Torsten ruft schon „Don’t kill the chicken!“ und hätte das Huhn nicht einen sportlichen Sprint eingelegt, dann hätte das Treffen wohl ein unschönes Ende gefunden.

Es wird wirklich Zeit, dass wir nach Hause kommen. Aber uns erwarten noch zahlreiche kleine Rampen und so zieht sich der Weg bis nach Poreč ordentlich. Eigentlich ist die Strecke hier sehr schön. Ruhig ist es hier und auch die Landschaft ist sehr ansprechend. Doch müde wie wir sind, können wir das alles nicht wirklich wertschätzen.

Am Ende sind wir überaus froh, als wir Poreč erreichen. Die Fahrt war wirklich langwierig und es gab einige haarige Momente. Aber das macht den Radsport ja so reizvoll – überall gibt es Abenteuer zu erleben. Seien es zwei Kilometer Schotterpiste, wildgewordene Hunde oder ein beinahe erlegtes Huhn. Es gibt immer etwas zu erleben.

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