An der Passhöhe stehen wir vor einem gut 2 Kilometer langen Tunnel.

Hofmahd

Sascha
Eine unvorstellbare Willensprüfung

Hofmahdjoch/Passo Castrin · 1620 m · Italien

Auffahrt von Brezer-Joch-Straße: 8,5 km · ø 9,2 % · max. 14 % · 780 hm

Auffahrt von Ultental: 8,9 km · ø 8,7 % · max. 10 % · 774 hm

Das Hofmahdjoch verläuft parallel zum Gampenpass: Das Gampenjoch östlich von der Laugenspitze, also auf der Etschtaler Seite; das Hofmahdjoch westlich davon. Verkehrstechnisch ist der Hofmahd ähnlich nützlich wie ein Kropf, was aber dafür sorgt, dass der Pass nur wenig frequentiert ist. Fahrspaß pur – zumindest in der Theorie.

Beim Blick zurück sehen wir vom Scheitelpunkt aus nur eine Galerie, keine Aussicht .

Beim Blick zurück sehen wir vom Scheitelpunkt aus nur eine Galerie, keine Aussicht (Foto: Sascha Resch).

Durch seine Lage drängt das Hofmahdjoch für eine Kombination mit Gampenpass und Brezer Joch auf. Wir Alpenvettern lassen uns nicht zweimal bitten und nahmen den Anstieg auf der 5. Etappe unserer Transalp 2014 in Angriff.

Der Anstieg beginnt sofort, wenn man vom Brezer Joch abfährt, kurz nach Lauregno, dort, wo die SP71 in unsere SP86, die Brezer-Joch-Straße, mündet. Zunächst sind wir etwas verunsichert, denn die Straße ist breit wie eine Autobahn. Gibt es hier etwa mehr motorisierten Verkehr als gedacht?

Die Straße führt mit äußerst gleichmäßiger Steigung immer geradeaus in die Höhe. Das sorgt für einen ekelhaften psychologischen Effekt: die Scheinebene. Wir wissen und spüren durch den Widerstand bei jeder Pedalumdrehung, dass wir bergauf fahren. Doch unsere Augen sehen keine oder nur eine leichte Steigung. Unser Gehirn glaubt an eine gemütliche Fahrt in leicht ansteigendem Terrain, während unsere Beine fauchen.

Dazu kommt die überbreite Straße, und eine elend monotone Landschaft, die ganze Zeit nichts als Wald. Wir haben das Gefühl auf der Stelle zu treten, es ist zum Haareraufen. Jetzt würden wir uns sogar über Autos freuen, wenigstens ein wenig Abwechslung. Doch nichts.

Nach gefühlten 20 Kilometern (in Wirklichkeit sind es erst 3,5) kommen wir zur Abzweigung nach Proves und endlich gibt es zwei Kehren. Doch sofort geht es wieder genauso monoton weiter wie vorhin. Kurz später nochmal zwei Kehren, die wieder etwas psychologische Erleichterung bringen. Doch danach fahren wir – wie soll es anders sein – geradeaus im Wald bergan.

Unzählige Pedalumdrehungen später, nach einer kurzen Galerie, zeigt unser GPS-Gerät an, dass wir den Scheitelpunkt des Passes erreicht haben. Wir sind etwas verwundert: Keine Aussicht, kein Passschild, nichts. Das einzige, was wir sehen, ist der Eingang eines riesigen Tunnels. Das soll es gewesen sein? Dafür haben wir uns hier hinauf geschunden? Ja, die ganze Plackerei für einen Tunnel.

An der Passhöhe stehen wir vor einem gut 2 Kilometer langen Tunnel.

An der Passhöhe stehen wir vor einem gut 2 Kilometer langen Tunnel (Foto: Sascha Resch).

Wir bleiben nicht lange hier oben, sondern montieren unsere Beleuchtung für die Abfahrt durch den Tunnel. Dieser erste Tunnel ist sage und schreibe 2 Kilometer lang. Er ist zwar durchgehend beleuchtet, doch der Belag ist so rau, dass die Zähne von den Vibrationen klappern. Es folgen noch weitere Tunnels – bergauf muss es hier die Hölle sein, noch schlimmer als die Südrampe.

Kurz bevor die Straße in die Ultentalstraße einmündet, müssen wir noch zwei enge Kehren passieren. Danach führt die Trasse weiter bergab bis ins Tal nach Lana. Auch hier warten einige Tunnels auf uns, die aber nicht so lang sind.

Unser Fazit: Das Hofmahd ist zwar auf dem Papier nicht übermäßig anspruchsvoll. Doch die Realität ist hier etwas ganz anderes. Wir haben gelernt, dass ein Pass nicht nur körperlich zehren kann, sondern sehr wohl auch psychisch.

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